Serifenhaus

Das Serifenhaus

Werbung und Aufmerksamkeit sind wie siamesische Zwillinge – die eine kann nicht ohne die andere. Durch die Typografie können beide zum Leben erweckt werden. So auch bei diesem Beispiel der Überbetonung.

Serifenbetonte Schriften zeichnen sich dadurch aus, dass An- und Abstriche in Form der Serifen überzeichnet werden. Die Strichstärke einer Serife ist somit mindestens genauso kräftig wie die Dickte.

Ein Haus aus Serifen.

Dieses Casino in Berlin-Kreuzberg steht auf Seifenbetonte.

Aus der Zeit der Industrialisierung stammt dieser Zweig der Typografie, der zeitgleich mit der Gegenbewegung der Serifenlosen stattfand. Die Ähnlichkeit zu Stahlkonstruktionen ist durchaus gewollt. In Frankreich war zu dieser Zeit alles interessant, was aus Ägypten kam. Das hatte mit der Entdeckung der Tempelanlagen und der Entzifferung der Hieroglyphen zu tun. Modisch war also alles, was „ägyptisch“ aussah. Daher werden seifenbetonte Schriften auch „Egyptienne“ genannt.

Dieses Automaten-Casino in Berlin-Kreuzberg an der Gneisenaustraße steht offenbar auf Serifen – daher hat der Besitzer das gesamte Casino auch gleich mit einem Font gepflastert. Augenfälliger geht es nicht! Zugute halten muss man dem kreativen Urheber, dass er oder sie sich aus derselben Type bedient hat und lediglich Größe und Farbe variiert.

 

Schwungschrift im Kloster Irsee, Allgäu

Wunderschöne Schwungzeichen

Barocker Treffenflur des Klosters Irsee im Allgäu

Barocker Treppenflur des Klosters Irsee im Allgäu

Diese handgeschriebenen Schwungzeichen habe ich im Kloster Irsee bei Kaufbeuren im Allgäu gefunden. Im Eingangsbereich der ehemaligen Benediktiner-Abtei ist die bewegte Geschichte des Klosters niedergeschrieben. Der barocke Treppenaufgang über drei Stockwerke ist verziert mit Wand- und Deckenmalereien, u.a. auch mit der Inschrift innerhalb eines angedeuteten Fensters im Erdgeschoss, gleich gegenüber der Eingangstür.

Der Titel der Inschrift richtet sich nach der Capitalis Quadrata, während die weiteren Textzeilen eine leicht kursive barock anmutende Handschrift darstellt. Charakteristisch sind für diese Inschrift die zahlreichen schmuckreichen Schwünge, die in Positionalformen variiert wird.

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Buchstabensalat-3

Schriften unterscheiden: Serifen und Nicht-Serifen

In diesem Beitrag will ich mich mit den Unterschieden von Schriften beschäftigen. Jede Schrift besitzt einen eigenen Charakter. Dieser ist geprägt von vielen Details wie der Fette, dem Kontrast zwischen horizontalen und vertikalen Linien sowie allen weiteren Formen.

Wenn Sie sich bislang noch nie mit der Auswahl von Schriften beschäftigt haben, werden Ihnen alle Schriften sehr ähnlich vorkommen. Natürlich erkennen Sie, dass es einen Unterschied gibt – nur können Sie diesen nicht benennen. Daher schauen wir uns einige Beispiele an.

Buchstabensalat

Ein ganz wesentlicher Unterschied aller Schriften liegt darin, dass es Schriften mit Serifen und ohne Serifen gibt. Schauen Sie sich einmal alle die hier gezeigten Formen an. Welche Schrift hat Serifen, welche kommt ohne Serifen aus?

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Über die Typografie

„Typografie kann unter Umständen Kunst sein.“

Das sagte der deutsche Künstler und Grafiker Kurt Schwitters in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Was ist mit diesen „Umständen“ gemeint? Wann sind die Umstände gegeben, in denen aus der bloßen Aneinanderreihung von Zeichen ein solides Handwerk oder sogar eine eigene Kunstform entstehen kann?

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